Wie lernen Kinder sprechen?

Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell und scheinbar mühelos Kinder sprechen lernen. Für Eltern bedeutet es oft einen bemerkenswerten Einschnitt
in der Entwicklung ihrer Kinder, wenn diese ihr "erstes Wort" sprechen. Die Fähigkeit, Wörter zu äußern, ist bereits das Ergebnis eines langen Lernpro- zesses.
   
Sprechen lernen ist nicht die Leistung eines Kindes allein, sondern der Sprach-
erwerb ist ein Prozess, an dem die Eltern einen ebenso wichtigen Anteil haben wie das Kind selbst: Denn Sprechen lernt das Kind über das Hören und Nach-
sprechen von Sprachvorbildern.
   

Bildinformation Sprache und Kognition

   
Sprechen lernen ist nicht die Leistung eines Kindes allein, sondern der Sprach-
erwerb ist ein Prozess, an dem die Eltern einen ebenso wichtigen Anteil haben wie das Kind selbst: Denn Sprechen lernt das Kind über das Hören und Nach-
sprechen von Sprachvorbildern.
Die Beziehung zwischen Kind und Eltern hat ihren Anfang  in der Befriedigung
der lebenswichtigen Grundbedürfnisse des Säuglings, der über angeborene
Verhaltensweisen ( Schreien, Saugen, Hören, Lächeln, Schauen, Bewegen )
verfügt. Mit deren Hilfe teilt er dem Erwachsenen seine Ansprüche mit.
Der Erwachsene reagiert in einer ganz bestimmten Weise und tritt von Anfang
an in einen Dialog mit dem Säugling. In den vielen gemeinsamen Anfangs-
situationen wie z.B. Füttern und Baden spricht die Mutter. Das Kind beginnt,
zusammen mit der Handlung, Sprache zu verstehen und zu erlernen. Die
Erwachsenen helfen dem Kind, in dem sie in vertrauten Situationen durch ihr
sprachliches Vorbild auf Personen, Objekte usw. hinweisen.
   

Die ersten Wörter des Kindes drücken im Unterschied zum Lallen oder Weinen
keinen Zustand aus, sondern sind immer unmittelbar mit den Handlungen
verbunden. Wenn z.B. ein Kind mit einem Pferdchen spielt und ;"brr" sagt, so kann dies sowohl "Pferd", "Schlitten", "fahr los" oder "halt" bedeuten, je
nachdem, in welcher Situation und mit welcher Betonung es ausgesprochen wird.
Auch wenn das Kind einen Gegenstand meint, bleibt das Wort doch untrennbar verbunden  mit einer konkreten Handlung. Handeln bedeutet für das Kind
Erleben! Sprachgebrauch ist immer eng verknüpft mit Erlebnissen.

   

Durch die Zunahme an Wörtern und durch den Erwerb der anderen sprachlichen Fähigkeiten ( Aussprache und Grammatik ) lernt das Kind anschließend, das Wort aus dem Handlungszusammenhang herauszulösen und als selbständiges Zeichen zu benutzen. Aber selbst wenn ein Wort scheinbare Selbständigkeit erhalten hat, bezeichnet es weiterhin noch nicht den Gegenstand, sondern irgend ein Merkmal desselben. Dies ist der Fall, wenn z.B. ein Kind zu einer Apfelsine "Ball" sagt. Es hat das typische Merkmal "Ein Ball ist rund" auf den neuen Gegenstand, die Apfelsine, übertragen.

   
Diese Fähigkeit des Kindes, Gelerntes auf Neues zu übertragen, zeigt, dass es nicht nur durch Vorsprechen und Nachsprechen lernt, sondern dass es über an-
geborene Fähigkeiten verfügt, aus den Angeboten seiner sprachlichen Umge-
bung gleichbleibende Formen zu erkennen, aufzunehmen, zu isolieren und sie zu Regeln zu verbinden. Das Kind entnimmt also der Sprache, die es hört, nicht nur einzelne Äußerungen, sondern auch bestimmte Regeln, die es anschließend auf ähnliche Fälle überträgt. So entstehen von der Erwachsenensprache abweichen-
de, aber regelgeleitete Formen wie z.B. "Ich bin gespringt". Nicht selten erfin-
det es eigenwillige Wörter, Wortschöpfungen, die Erwachsene nicht gebrauchen. Das Kind äußert sich zunächst noch "unkorrekt", erwirbt aber durch Selbst-
korrektur im Dialog allmählich die Fähigkeit, so wie Erwachsene zu sprechen.
   

Der Spracherwerb ist also ein individueller Prozess, der zwar bei jedem Men-
schen anders verläuft, der aber bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegt.
Bevor die Kinder so sprechen und schreiben wie Erwachsene, durchlaufen sie Vor- und Zwischenstufen. Hieraus ergibt sich die Konsequenz, dass kindliche Äußerungen, die aus der Sicht der Erwachsenen falsch sind, nicht zwangsläufig verbessert werden müssen. Diese Äußerungen stellen in der Regel entwick-
lungsbedingte Durchgangsstufen dar, die Aufschluss über den Entwicklungs-
stand von Kindern geben.

  

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